Unsere Vereinsgeschichte

Ein paar Ledereimer, wenige selbst geschneiderte Jacken waren die einzigen Feuerlöschrequisiten die den Deggendorfern zur Verfügung standen. Eine Feuerwehr gab es nicht, jeder half sich und seinem Nächsten. Eine große Bedeutung hatte der Türmer, der frühzeitig die Brände erkannte und Alarm schlug. Noch heute ist im Museum die EDV des 18. Jahrhunderts zu bewundern. (siehe Bild) Die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) gaben wohl den Anlass und drängten zur Herstellung von Druckspritzen.

1719 wurde die erste „Spritze“ für Deggendorf gebaut und sie wurde im Hause Luitpoldplatz 20 untergebracht.
Die Unterbringungsorte wechselten sehr oft. In der Geschichte sind das Rathaus (St. Martins Kapelle), ein Haus in der Bräugasse (Kupferschmied Paul), das Waisenhausgebäude und der Krambudenstadl (das spätere Eichamt in der Rosengasse) als Verwahrort der Requisiten genannt.

 

Dieses "Brandermittlungsgerät" diente dem Türmer zur genauen Lokalisierung des Brandes. Es steht noch heute im Stadtmuseum. Nach genauer Peilung schlug der Türmer Alarm und er alarmierte durch Rufen, Trompete oder später bereits mit den ersten elektrischen Alarmgebern. Eine heutige Rathausturmbesteigung ist sehr interessant, denn die Türmerwohnung ist immer noch vorhanden. Der Aufstieg ist ein Erlebnis, man kann den Türmer noch überall erahnen. Auskünfte erteilt das Fremdenverkehrsamt, Führungen sind für Gruppen jederzeit möglich.

 

Vereintes Zusammenwirken in der Gefahr ist Pflicht eines jeden Bürgers und Einwohners einer Stadt. Besonders notwendig ist die Erfüllung dieser Pflicht in Brandfällen.
Um dieser Pflicht nachzukommen und deren Ausübung auch den Erfolg zu sichern, hat sich in hiesiger Stadt ein Verein von "Freiwilligen" gebildet.
Welcher sich die Rettung des durch Feuer bedrohten Eigentums und Lebens zur Aufgabe stellt.
Die Freiwillige Feuerwehr Deggendorf, gegründet 1865
So beginnt die erste Auflage der Satzung und Dienstordnung des freiwilligen Feuerwehr-Corps für die kgl. Bayer. Stadt Deggendorf und damit die Geschichte der Feuerwehr Deggendorf.
Die Idee eine Feuerwehr zu gründen, wurde durch einen Beschluss des Turnvereins Deggendorf verwirklicht. Der am 30. Mai 1862 erlassene Aufruf an die Bevölkerung bewirkte, dass eine Turnerfeuerwehr aufgestellt wurde. Erst im Jahre 1864 stellte der damalige Turnrat, Herr Karl Kollmann, an den „hochverehrlichen Magistrat der königlichen Stadt Deggendorf“ die Bitte, die Feuerwehr Passau zu einer Vorstellung nach hier einladen zu dürfen, um die Bürger von der Nützlichkeit einer Feuerwehr zu überzeugen.
Die erste richtige Satzung

Am 1. März 1865 war es soweit. Alle Männer über 20 Jahren wurden aufgefordert, sich gegen 13.00Uhr Mittags im Rathaussaal als Mitglied eintragen zu lassen. Die Gründungsversammlung wurde am gleichen Abend im Sesselsberger Bräu abgehalten. Der 1. Gewählte „Corpus Hauptmann“ Georg Habler, königlicher Brandinspektor, konnte an diesem Tage 83 Mitglieder in die Wehr aufnehmen.

Im Jahre 1898 fand die erste Kreisfeuerwehrversammlung in Deggendorf statt. 25 Vertreter der Bezirksverbände waren anwesend. Ein Ehrentag für die Feuerwehr Deggendorf!

1912 wurde der Antrag abgelehnt, das Schlachthaus in der Schlachthausgasse als Feuerlöschrequisitenhaus umzubauen. Man musste nach anderen Lösungen suchen und erst 1917 zog man in die Kapuzinerkirche am Maria Ward Platz ein. 1928 errichtete man einen zweiten Stützpunkt und zwar in der Ufervorstadt, der allerdings nicht lange bestand.

Noch mal zurück zur Gründungszeit. Der zur Gründung notwendige „finanzielle Grundstock“ wurde von damaligen 174 Eigentümern der großen Bogenweide gespendet. Die sich im Eigentum der Stadt befindlichen Feuerlöschgeräte wurden sofort der neu gegründeten Feuerwehr zur Verfügung gestellt.

Die erste Feuerlöschordnung der FFW Deggendorf wurde noch 1865 erlassen.

Das Gründungsfest des Vereins wurde dann am 14. Januar 1866 mit einem Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt eröffnet. Im Festsaal des Gasthofs „Zum schwarzen Adler“ fand der Festball statt.

Zwei Jahre sollte es noch dauern, bis endlich die erste Fahne geweiht wurde. Angefertigt im hiesigen Englischen Institut, wurde der stolze Betrag von 176 Gulden und 25 Kreuzer der damaligen Oberin Mater Antonie Kiesel übergeben. (Diese Fahne ist noch heute im Stadtmuseum zu bewundern)

Die Stifter dieser Fahne waren Frauen und Jungfrauen unserer Stadt. Erst im Jahre 1960 wurde die Fahne durch eine neue ersetzt. Anlässlich dieser Fahnenweihe wurde vom damaligen Oberbürgermeister Hans Krämer ein Satz geprägt, der noch heute auf unsere Feuerwehr zutrifft: „Liebe Buam, eure Geschwindigkeit grenzt manchmal an Hexerei! (Anmerkung: gilt heute auch für die Mädels)

Auch Pflichtfeuerwehren gab es in der Stadt. Um die Jahre 1877 und 1920 kam es zur Ausrufung der Pflichtfeuerwehr. Noch heute gilt: Finden sich nicht genügend Freiwillige, kann die Gemeinde die Pflichtfeuerwehr ausrufen.

Die Motorisierung der Feuerwehr begann ab 1930. Schon 1908 wurden Rücklagen gebildet, um eine Dampfspritze anschaffen zu können. Der 1. Weltkrieg machte all diese Vorhaben zunichte und erst 1920, also 12 Jahre nach der ersten Rücklagenbildung wurde die Beschaffung eines Motorlöschgerätes wieder in Erwägung gezogen. Durch Nichtgewährung von staatlichen Zuschüssen und wegen Nichtbeteiligung des Bezirkes Niederbayern war dieser Traum sehr schnell ausgeträumt. Auch ein Angebot der Ziegelei Weber&Co, der Feuerwehr eine Spritze im Wert von 1 Million RM (Inflationsgeld) zu kaufen, wurde nicht angenommen, da die geforderte Gegenleistung, die Verschreibung von Tauschgrundstücken in der Größe von 8,74 bayerischem Tagwerk, dem Magistrat der Stadt zu teuer war.

Was lange währt…endlich! Am 23. August 1930 kam die erste Magirus Automobilspritze aus Ulm in Deggendorf an. Noch am gleichen Tag war der erste Einsatz der neuen Spritze bei einem Großbrand im Benediktinerkloster Metten.

Von diesem Zeitraum an hielt die Wehr Schritt mit dem Fortschritt der Technik.

Die Feste der Feuerwehren hielten sich in Grenzen. Das 50jährige Gründungsfest konnte wegen der Kriegswirren des 1. Weltkrieges nicht abgehalten werden. Geraume Zeit später wurde immer im April ein Stiftungsfest mit Kirchenzug und anschließendem Frühschoppen durchgeführt. Mit der Zeit geriet dieser Brauch in Vergessenheit.

Die lampiongeschmückten Sommerfeste im Kieslingkeller werden noch heute manchem älteren Kameraden in Erinnerung sein.

Stolz feierte die Deggendorfer Wehr 1950 das 85. Gründungsfest. 60 Feuerwehren waren der feierliche Rahmen. Mit Marschmusik und brennenden Fackeln marschierten die Wehren am Abend durch die Stadt, um der Bevölkerung den Kameradschaftsgeist der freiwilligen Einsatztruppe und deren Zusammengehörigkeitsgefühl näherzubringen. (Anmerkung Webmaster: „Wäre heute auch mal wieder notwendig!)

 

Der Blutzoll des Zweiten Weltkrieges war hoch, viele Kameraden waren gefallen. Die jährliche Kranzniederlegung am Volkstrauertag sowie die Teilnahme an den Trauerfeierlichkeiten tragen dazu bei, dass diese Kameraden nicht in Vergessenheit geraten. „Ich war nicht dabei, ich weiß nichts mehr davon….“ Solche Sätze hört man heute oft, sie sollten jedoch als Feuerwehrmann nicht ausgesprochen werden. Wir sind es unseren alten Veteranen schuldig!

Ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte war das 100jährige Gründungsfest im Jahre 1965. Zum Jubiläum hatten sich so viele Feuerwehren angemeldet, dass das große Bierzelt auf dem Volksfestplatz angemietet werden musste.

 

Nach der Machtübernahme durch die Amerikaner wurde die FFW Deggendorf für kurze Zeit ein "Fire Department". Sowohl die Leitung der Stadt und damit auch der Freiwilligen Feuerwehr lag in den Händen der Amerikaner, der Besatzer.

 

In der Zeit nach dem Krieg begann die legendäre "Winter-Zeit". Nein, es wurde nicht kalt, aber Feuerwehrpionier Siegfried Winter wurde als erster Hauptamtlicher Gerätewart im wahrsten Sinne des Wortes spontan von seinem Arbeitgeber, der Fa. Streicher weg geholt! OB Krämer schlug dem Siegfried vor: "Es geht so nicht mehr weiter, mach...!" Siegfried war nun in seinem Element, er improvisierte und machte aus dem Gerätehaus im Kapuziner das Beste. Er war auch "Höhlenforscher", denn in der alten Halle (dem heutigen Veranstaltungsraum) war der Einstieg in ein viel verzweigtes Gängesystem. Das Kloster benutzte diese Gänge, die übrigens weit unter den Geiersberg führten, vermutlich als Fluchtgänge. Zahlreiche Knochenüberreste bewiesen, es war auch die Grabstätte der Mönche. Zurück zum Pionier: Winter hatte das Geschick aus Nichts, Etwas zu machen. Er schweißte, montierte und aus vielen Ersatzteilen wurden Feuerwehrfahrzeuge. So war Deggendorf kurz nach dem 2. Weltkrieg zumindest im Feuerwehrwesen wieder präsent. Winter zog dann in das neue Haus in der Otto-Denk-Straße und selbst dies war nicht die letzte Wirkungsstätte, denn es folgte ja noch der Umzug in den St. Florians Weg. Eines sollte man noch anmerken: Winter war in ganz Niederbayern bekannt und seine Pflegenote war immer die Eins! Selbst seinem Nachfolger bescheinigte er noch bei der Einarbeitung: "Tut mir leid, du bist ein Landkartenmaler" nachdem er das erste Mal das Heiligtum "Feuerwehrauto" waschen durfte.
 
Wurde die Leistungsprüfung in Deggendorf "geboren"?
Der spätere Landrat aus Passau, Baptist Kitzlinger, hat in der Stadt Deggendorf in den fünfziger Jahren das erste Leistungsabzeichen abgenommen. Damals gab es noch keine Zeichen, deshalb hat die Stadt ein eigenes entwerfen lassen. Leider gibt es nur mehr ein oder zwei Exemplare davon. Dieses Leistungsabzeichen stand Pate für unser Ehrenzeichen in Massivsilber, welches Senior und Goldschmied Peter Mieves neu entworfen hat.
 

Ein neuer Abschnitt begann mit dem Umzug in das neue Gerätehaus an der Otto-Denk-Straße. Wer dachte damals in der Euphorie daran, dass dieses Haus zwanzig Jahre später schon wieder viel zu klein war und die Führung der Wehr die Weichen für einen richtungweisenden Neubau stellten. Noch unter Stadtbrandinspektor Josef Kainz wurde die Idee geboren. Die Umsetzung und Planung übernahm der damals gewählte Stadtbrandmeister Alois Schraufstetter. Stadtbrandinspektor Kainz war erkrankt, Schraufstetter wurde dann 1984 zum Stadtbrandinspektor gewählt. Das neue Gerätehaus am St. Florian Weg wurde unter OB Dieter Görlitz errichtet. 25 Jahre später (2010) ist es nach wie vor ein Musterbau an Funktionalität.

Immer größere und höhere Bauten in der Stadt forderten eine größere und immer dem letzten Stand angepasste Feuerlöschtechnik.

Bei vielen Tagen der offenen Tür wurden und werden die Geräte dem Bürger vorgeführt. Ein Beweis der Schlagkraft der Deggendorfer Wehr, die seit 1985 auch einen eigenen ABC-Zug unterhält. Das Einsatzspektrum wurde mit der Beschaffung des Rüstwagens „Gefahrgut“ erheblich erweitert. Hinsichtlich des Freihafens und der damit verbundenen Lagerung von Gefahrgütern ist die Feuerwehr Deggendorf heute in der Lage, den Bürger vor ausgehenden Gefahren zu schützen.